Frühjahr 2021

Ist eine umfassende Versorgung mit frischem Gemüse aus lokaler Produktion in unserem Klima ganzjährig möglich? Würde es bedeuten, sich während der kalten Jahreszeit mit den sprichwörtlichen Kraut und Rüben abfinden zu müssen? Und wenn ja, welche Rüben gibt es überhaupt? 

An dieses weitreichende Thema tasten wir uns bewusst mit einer Portion Naivität heran und wollen auch Fragen neu stellen, die konventionelle Landwirt:innen und Agrarexpert:innen wahrscheinlich schon lange für sich beantwortet haben. 

Was wir wissen ist, dass es für einen grundlegenden Wandel unserer Ernährungsgewohnheiten attraktive Alternativen zum ganzjährig gleich bleibenden Gemüseangebot der Supermärkte braucht. Wir benötigen dringend wieder eine umfassende regionale Versorgung mit gesundem Gemüse, und zwar für alle. Nicht zuletzt um Natur, Klima und Menschen auch an jenen Orten zu schützen, wo das im Winter importierte Gemüse derzeit unter meist miserablen Bedingungen angebaut wird.

Natürlich kann die Lösung nicht lauten, mit enormem Energieaufwand schon im Februar Bio-Tomaten aus österreichischer Produktion anzubieten. Wie eine ganzjährige Versorgung mit saisonaler Kost aus der Region konkret aussehen kann ist deshalb etwas das wir laufend erforschen, neu entdecken und zu einem Thema unserer Arbeit machen wollen.

Im Sinne einer regionalen und unabhängigen Nahrungsproduktion ziehen wir sämtliche unserer Jungpflanzen selbst auf. Das ermöglicht uns viel Flexibilität in der Anbauplanung und Sortenauswahl. Als solidarische Landwirtschaft können wir uns diesen Mehraufwand „leisten“, etwas das für rein wirtschaftlich kalkulierende Betriebe aufgrund des hohen Aufwands meist nicht möglich ist. Unser Gewinn ist dabei die Unabhängigkeit von Pflanzenimporten und internationalen Lieferketten. Für die eigene Anzucht sprechen außerdem der Gedanke der Saatgut-Souveränität sowie Erhalt und Förderung der Sortenvielfalt.

Viel Zeit verbrachten wir im Frühjahr schon auf dem Acker, denn dort entstehen auf 3000m² neue Anbauflächen nach dem Prinzip der permanenten Beete. An Stelle der im Feldgemüsebau üblichen Reihenpflanzung behalten wir die Beetstruktur für viele Jahre bei. Die Bearbeitung findet nur mehr mit kleinen Maschinen und Handgeräten statt, die Förderung der Bodengesundheit rückt dabei in den Fokus. Die besonders dichte und beinahe durchgängige Bepflanzung der Flächen macht die Nutzung schwerer Geräte und chemischer Pestizide überflüssig. Die notwendige Düngung erreichen wir durch den Einsatz verschiedener Mulchdecken, bodenverbessernder Kulturen und kompostiertem Pferdemist von umliegenden Höfen.